Der freie Wille existiert nicht?

Blogartikel von Raphael Raue

Man entdeckt doch in den Zeitungen, Magazinen und Weblogs immer mal wieder das Thema Willensfreiheit und die dazugehörigen provokanten Thesen einiger Biologen, Hirnforschern, Psychologen und Neurobiologen, dass der freie Wille gar nicht existiere. Da werden Experimente, Statistiken und zum Teil wirklich gut geführte Argumentationen ausgebreitet um uns Menschen endlich diesen Aberglauben zu nehmen. Den freien Willen gibt es nicht, alles schon vorher entschieden, durch unser Gehirn.

Nun ich will mich hier gar nicht für einen freien Willen aussprechen und dagegen halten, sondern ich will euch das Problem zeigen, in das ein Naturwissenschaftler gerät, wenn er zeigen will, dass etwas nicht existiert, was er nicht messen, wiegen oder sonst wie quantifizieren kann.

Der Naturwissenschaftler will zeigen, dass es den freien Willen nicht gibt und vermisst dafür das Gehirn. Er benutzt Röntgenmethoden, Wärmebilder und was weiß ich noch um den Fluß der Neutronen im Gehirn zu verdeutlichen. Er geht seinem Handwerk nach und ist überzeugt, dass die Naturwissenschaft alles entdecken kann. Was sie nicht entdeckt, das gibt es auch nicht. Nach langen Test und Experimenten, bei denen er sich auch noch von Verhaltensforscher hat unterstützen lassen, kommt er zum Ergebnis, dass er nur Neutronen zeigen konnte, aber einen freien Willen habe er nicht entdecken können. Die Neutronen reagieren zudem so schnell, dass da keine Zeit mehr bliebe um noch einen freien Willen zwischen zu schieben. Er ist also fest davon überzeugt, dass er zeigen konnte, dass es keinen freien Willen gibt.

Nun kommt aber seine Tochter zu ihm, die nicht so ganz versteht, was er damit meint und fragt ihn, warum er denn meine, dass er mit messen und experimentieren zeigen könne, dass der freie Wille nicht existiert, villeicht sei der freie Wille nicht materiell und auch nicht zeitgebunden. Der Vater aber ist ein ernsthafter Naturwissenschaftler und erklärt seiner Tochter, dass alles materiell sei und der zeit unterworfen und wenn sich der freie Wille nicht zeigen ließ, dann gäbe es ihn auch nicht.

Die Tochter aber versteht das immer noch nicht und fragt, wie es denn dann mit seinem Beruf ist. Er ist ja Naturwissenschaftler und sie habe auch noch nie die Naturwissenschaft gesehen, ob diese dann auch nicht existiere und nur ein Aberglaube sei?

Der Vater macht sich, wie es sich für einen Naturwissenschaftler gehört an die Arbeit und sucht die Naturwissenschaft. Er geht zu denen, die von sich behaupten die Naturwissenschaft zu verstehen, sie zu lehren und anzuwenden. Doch er findet immer noch bedrucktes und beschriebenes Papier, von dem einige Leute sagen, dort stünden die wichtigsten Formeln der Naturwissenschaft, das sei Naturwissenschaft. Er kann aber nur Papier und Tinte messen, egal welche Testmethoden er auch herbeizieht. Auch die Lehrenden, die ja wissen was Naturwissenschaft ist, schreiben immer nur etwas an Tafeln, Kreide oder reden, akustische Laute. Die Naturwissenschaft können sie ihm aber nicht messbar zum Testen mitgeben. Selbst die Leute, die Naturwissenschaftler sind, so wie er, haben nichts, was sie ihn testen lassen können, außer jede Menge unterschiedlicher Apparaturen, die aus Plastik, Metall und manchmal auch ein wenig Holz bestehen. Keine Naturwissenschaft zu finden.

Nach einiger Zeit gibt er auf und kommt wieder zu seiner Tochter und gesteht ihr, er habe die Naturwissenschaft nicht finden können, sie existiere nicht.

Mit dieser kleinen Geschichte will ich das Problem der Naturwissenschaft, bzw. der falsch verstandenen Naturwissenschaft skizzieren. Der Materialismus beißt sich selbst in den Hintern und seine Thesen, alles sei Materiell und es gebe nichts außer dem, widerlegt den Materialismus selbst, denn er ist nicht Materiell. So verhält es sich auch mit diesen Naturwissenschaftlern, die meinen, wenn sie nichts finden, dass dann auch nichts sei, aber fest davon ausgehen, die Naturwissenschaft existiere. Das passt nicht.

Ich will nicht versuchen jetzt zu erklären, warum es einen freien Willen geben muss und ich sogar davon ausgehe, dass dies Naturwissenschaftlich zu zeigen sei, denn ein jeder Mensch bildet ein Ich aus, was unmöglich zu rechtfertigen ist, ohne einen freien Willen, sondern will auch noch auf das Vokabular dieser verwirrten Wissenschaftler eingehen. Der Mensch ist nicht frei, sondern determiniert heißt meistens in solcherlei Aufsätzen, dass der Mensch nicht vollkommen, absolut, perfekt Frei sei, sondern eben auch determiniert, also determiniert. Das ist ein Sprachgebrauch, der einem zwar die Fingernägel aufrollt, aber so gelesen sind nur noch ganz wenige Naturwissenschaftler davon überzeugt, dass der freie Wille nicht existiere. Es gibt sie, die Deterministen, aber die meisten der von der Presse ab und an mal herbeigeholten Wissenschaftler werden nur falsch verstanden, was auf eben diese oben genannte Sprache zurückgeht.

Ein Kommentar
  • ögg am 2. Oktober 2007 um 23:51 Uhr (#)

    schon mal was von emergenzebenen gehört? verteidigst du diese ansicht, dass sich aus dem nebeneinander von elementen strukturen bilden, die miteinander funktional verzahnt sind auf einer ebene und dass sich aus dieser (wie auch immer zusammenhängenden) ebene neue phänomene ergeben können, die weder dieselbe strukturelle ordnung, “kausalität” noch grundcodes haben?

    daumen hoch für die seite hier übrigens!

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